Die Flüsse Feistritz, Lafnitz und Raab

Vielfältige Lebensräume mit bewegter Geschichte

Die Flüsse Feistritz, Lafnitz und Raab, die wir mit unseren Kanus befahren, haben vieles gemeinsam. Im folgenden wollen wir ein wenig auf die Geschichte und die biologisch interessanten Lebensräume dieser Flüsse eingehen.

Kurzbeschreibung der Feistritz
Quelle: nordöstliche Steiermark, zwischen Stuhleck und Hochwechsel Quellflüsse Weiße Feistritz und Schwarze Feistritz
Länge: 115 km
Region: Fischbacher Alpen, Joglland, Feistritzklamm, Stubenbergsee, Ilz, Fürstenfeld
Mündung: bei Dobersdorf (Bgld) in die Lafnitz

Ein großer Mäander an der Feistritz, Dobersdorf-Fürstenfeld

Kurzbeschreibung der Lafnitz
Quelle: steirisches Joglland als Lafnitzbach
Länge: 114 km
Region: Vorau/Birkfeld, steirisch-burgenländische Grenze, Rudersdorf, Heiligenkreuz
Mündung: St. Gotthard (Ungarn) in die Raab
Geschichte der Lafnitz: Die Lafnitz ist seit Menschengedenken ein Grenzfluss. Bereits zur Römerzeit trennte sie die Regionen Pannonia von der Provinz Noricum. In jüngerer Vergangenheit war sie Grenzfluss zwischen Österreich und Ungarn. Das Problem mit den Grenzflüssen liegt darin, dass sie öfters ihren Lauf verändern, weil nach einem langen Hochwasser das alte Flussbett nicht mehr "gefunden" wird oder weil ein großer Mäander durchbricht. Solche Veränderungen im Flusslauf haben in der Vergangenheit stets zu Grenzkonflikten mit teils ordentlichen Scharmützeln geführt. Daher sind Mitte des 18. Jahrhunderts unter Kaiserin Maria Theresia die Lafnitz und auch die letzten Kilometer der Feistritz vermessen worden und im Freiland wurden zur Grenzsicherung Grenzsteine aufgestellt. Im Bereich um Rudersdorf/Dobersdorf sind heute noch einige dieser Grenzsteine zu sehen. Als 1921 Teile Westungarns zu Österreich gekommen sind, ist die Lafnitz zu einem regionalen Grenzfluss zwischen dem jungen Burgenland und der Steiermark geworden. Diese Tatsache hat die Lafnitz davor bewahrt, reguliert zu werden und deshalb können wir heute einen weitgehend naturnah erhaltenen Fluss bewundern, der mit seinen Mäandern, den wertvollen Auwäldern und flussbegleitenden Dauerwiesen ein beachtetes Ökosystem darstellt.

Kurzbeschreibung der Raab
Quelle: Teichalm (Steiermark)
Länge: 250 km
Region: Raabklamm, Weiz, Gleisdorf, Feldbach, Jennersdorf, Körmend, Sárvár
Mündung: Györ (Ungarn) in die Kleine Donau (Nebenfluss der Donau)

Ökologie der Flüsse

Während stehende Gewässer relativ geschlossene Ökosysteme darstellen, handelt es sich bei Fließgewässern um offene Ökosysteme mit einer engen Beziehung zu den angrenzenden Landökosystemen. Sie ändern ihre Gestalt durch ständige Abtragung und wieder Aufschüttung des Bodens.


Die Zonen unserer Flüsse

Die erste Zone ist die Quellzone. Hier entspringt der Fluss in höheren Lagen auf felsigem Untergrund. Als nächstes folgt der Oberlauf, der durch großes Gefälle und Tiefenerosion geprägt ist. Das heißt, dass sich der Fluss in diesem Bereich besonders tief in sein Flussbett eingräbt. Während im Mittellauf des Gefälle geringer wird und die Erosion langsam von der Tiefenerosion zur Seitenerosion wechselt. Der Unterlauf ist ein eher gerader ruhiger Flusslauf, fast ohne Gefälle und Erosion, bevor er in einen größeren Fluss mündet. Die Feistritz mündet beispielsweise in die Lafnitz, die dann wenig später in die Raab mündet und die wiederum dann noch eine weite Strecke bis zur Donau zurücklegen muss.


Der Bereich in dem wir mit unseren Kanus fahren ist eine Art Übergangsbereich zwischen Mittellauf und Unterlauf. Wie man auf einer Kanutour gut beobachten kann, ist das Gefälle kaum sichtbar, aber die Seitenerosion ist noch allgegenwärtig und das vorherrschende Flussbild ist die starke Mäandrierung des Flusses. Feistritz und Lafnitz haben keinen klassischen Unterlauf, weil sie frühzeitig in andere Flüsse münden.


Auf unseren Kanufahrten kann man die natürliche Vielfältigkeit, die ein gesunder Fluss haben sollte, gut erkennen. Es wechseln oft langsam und schnell fließendes Wasser ab, an manchen Stellen verengt sich der Fluss, Steine, umgefallene Bäume und Inseln prägen den Lauf des Wassers und es bilden sich örtliche Vertiefungen (bis zu 2 m), die dann wieder von ganz flachen Stellen abgelöst werden. Würde man einen Flusslauf wie die Feistritz über einen längeren Zeitraum beobachten, würde man merken, wie der Wasserstand steigt und fällt, wie Sand und feiner Kies abgelagert werden und wann und wo der Fluss wieder einmal seinen Lauf verändern könnte.


Die Mäander

Wenn Flüsse, wie die Feistritz, die Lafnitz und die Raab, das Bergland verlassen und auf das Flachland treffen, dann beginnen sie zu mäandrieren, wie es so schön heißt. Sie bilden Mäander aus und die kann man sich vorstellen als große, fast übertrieben wirkende Flussschlingen. Wie so ein Mäander entsteht, soll Ihnen die  folgende Grafik verdeutlichen:

Der Mäander und seine Entstehung

Entscheidend ist in der Flussdynamik, dass die Tiefenerosion des Berglandes von der Seitenerosion im Flachland abgelöst wird. Eine Flussschlinge hat immer eine Außenkurve und eine Innenkurve. Im Außenbereich bildet sich der Prallhang, weil die Strömung des Flusses die Böschung untergräbt (Seitenerosion) und immer wieder Teile des Prallhangs abbrechen und in den Fluss stürzen. Der Fluss nimmt diese Sedimente mit und lagert sie an den flachen Ufern der nachfolgenden Innenkurven, den sogenannten Gleithängen, wieder ab. Auf diese Art und Weise wandern die Flussbiegungen nach außen und werden immer größer. Es kann auch vorkommen, dass nach einem Hochwasser der Fluss einen Mäander durchbricht und praktisch eine Abkürzung nimmt. Der Mäander wird dann zu einem Altarm, der nicht mehr mit Wasser versorgt wird, austrocknet und versandet.

Die flussbegleitenden Wiesen

In der Region Südoststeiermark und dem Südburgenland treffen Pflanzen- und Tierarten aus dem Pannonischen Raum mit denen aus voralpinen Regionen zusammen. Um diese einzige Vielfalt zu erhalten sind Wiesen entlang unserer Flüsse von sehr großer Bedeutung. Früher war das selbstverständlich und es wurden große Wiesenflächen entlang, beispielsweise der Lafnitz, bewirtschaftet. Heute gibt es Projekte damit verloren gegangene Wiesen wieder entstehen und erhalten werden. Regelmäßige Mahd oder die Bewirtschaftung durch Rinder verringern die Erosionsschäden wie Abschwemmungen und Hangrutschungen. Magere Wiesen sind besser in der Lage durch ihre Durchwurzelung dem Boden Halt zu geben.

Grundzusammenlegungen und landwirtschaftliche Bewirtschaftung mit sehr großen Maschinen haben dazu geführt, dass auch Hecken entlang der Wiesen und Weideflächen allmählich zurückgegangen sind. Hecken verbessern das lokale Klima, bremsen den Wind ab, vermindern die Verdunstung, mildern Frost, filtern Staub und verhindern Uferauswaschungen. Intakte Hecken sind sehr wichtig als Brut- und Rückzugsgebiete für zahlreiche Tierarten, die in Verbindung zu den angrenzenden Flüssen stehen.

Die flussnahen Wiesen sind eine uralte Kulturlandschaft, die ein Gleichgewicht zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und ausgeprägter Tier- und Pflanzenwelt hergestellt haben.

Die wertvollen Flussauen

Die Flussauen sind Gebiete, die von Zeit zu Zeit vom Hochwasser eines angrenzenden Flusses überschwemmt werden. Früher hatten fast alle Flüsse Auenwälder, aber weil jedes größere Hochwasser ein Bild der Verwüstung zurückließ, begann der Mensch durch Dämme seine landwirtschaftlichen Kulturflächen und eben auch den Auwald zu schützen. Aber genau diese zerstörerische Kraft brauchen die Auwälder. Das Hochwasser bringt neue Nährstoffe und schützt vorhandene Tiere und Pflanzen vor dem Eindringen anderer, fremder Arten, die für die harten Bedingungen im Auwald nicht geeignet sind. So kann zB. eine Silberweide 190 Tage und eine Stieleiche bis zu 90 Tage im Hochwasser überleben. Die Auwälder stehen zu ihrem Fluss in einer starken Wechselwirkung in Bezug auf Nähstoffaustausch, Laichplatzangebot, usw. 

Die Flussauen mit ihren Wäldern zählen in Europa zu den artenreichsten Ökosystemen und ihnen gebührt höchster Schutz!

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